Die Wasservögel am Einfelder See

Gruppenmitglieder: Svenja Maschke

1. Steckbriefe

1.1 Graugans (Anser anser)

Verbreitung: Eurasien
Lebensraum: Moore, Sümpfe, in der Nähe von Wiesen/ Binnengewässern
Maße: Gesamtlänge 76-89 cm, Gewicht ca. 3,5 kg, Flügelspannweite 147-180cm
Max. Fluggeschwindigkeit: 91km/h
Lebensweise: Zugvogel; in Familienverbänden, die sich zu größeren Gruppen zusammenschließen
Nahrung: Gräser, Kräuter, Beeren, Wasserpflanzen, Wurzeln, Zwiebeln, Knollen
Fressfeinde: Fuchs, Marder
Geschlechtsreife: Nach ca. 2 Jahren
Zahl der Bruten: Eine/a
Zahl der Eier pro Gelege: 4-9
Brutdauer: 28-29 Tage
Höchstalter: ca. 20 Jahre
Gans

1.2 Stockente (Anas platyrhynchos)

Verbreitung: Gesamte Nordhalbkugel, gemäßigte Breiten
Lebensraum: In der Nähe von Binnengewässern
Maße: Gesamtlänge < 58cm, Gewicht ca. 0,7-1,5 kg, Flügelspannweite < 95cm
Max. Fluggeschwindigkeit: 110km/h
Lebensweise: Zugvögel
Nahrung: Wasserpflanzen, Sämereien, Weichtiere, kleine Krebse/Fische, Frösche
Fressfeinde: Uhu, Seeadler, Fuchs, Marder
Geschlechtsreife: Nach ca. einem Jahr
Zahl der Bruten: Eine/a
Zahl der Eier pro Gelege: 7-16
Brutdauer: 25-28 Tage
Höchstalter: ca. 10-15 Jahre
Stockente

1.3 Blässhuhn (Fulica atra)

Verbreitung: Europa, Nordafrika, Sibirien, Australien
Lebensraum: Seen, langsam fließende Gewässer mit vielen Wasserpflanzen und einem Schilfgürtel
Maße: Gesamtlänge ca. 38cm, Gewicht < 0,8 kg
Max. Tauchdauer: 15 Sekunden
Lebensweise: Überwinterung in Gruppen (auch andere Wasservögel), tlw. auch wandernd
Nahrung: Pflanzenteile, Kleintiere
Fressfeinde: Uhu, Fuchs, Marder
Geschlechtsreife:  Nach ca. 1 Jahr
Zahl der Bruten: 1-2/a (April, evtl. Juli)
Zahl der Eier pro Gelege: 4-12
Brutdauer/-beginn: 21-23 Tage
Höchstalter: 18 Jahre (ältester Ringvogel)
Blässhuhn

1.4 Sturmmöwe (Larus canus)

Verbreitung: Stark in Nord- und Mitteleuropa
Lebensraum: Häufiger an Küsten als an Binnengewässern
Maße: Gesamtlänge < 43cm, Gewicht ca. 0,3-0,55 kg, Flügelspannweite < 120cm
Max. Fluggeschwindigkeit: < 110 km/h
Lebensweise: Zugvogel (Südeuropa bis nach Nordafrika), manchmal Überwintern im Binnenland
Nahrung:  Fische, Insekten, Pflanzenteile, kleine Nager
Fressfeinde: Bedroht werden ausschl. Jungvögel und Gelege (Fuchs, Wiesel, andere Raubvögel)
Geschlechtsreife:  Nach ca. 3 Jahren
Zahl der Bruten: 1/a (Ab Mai)
Zahl der Eier pro Gelege: 2-3
Brutdauer/-beginn: 23-28 Tage
Höchstalter: 20 Jahre
Sturmmöve

2. Adventivarten am Beispiel der Mandarinente

Nachdem ein Mandarinentenweibchen sich in einer Stockentengruppe aufhielt, habe ich eine Anfrage an den Tierpark gesendet, um herauszufinden, ob die Ente tatsächlich aus ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet (Ostasien) zugewandert sein könnte oder es sich um Privathaltung/ einen Tierparkausbruch handelt.

„Sehr geehrtes Tierpark-NMS-Team,

Ich wüsste gerne, ob es unter Ihren Wasservogelarten auch Mandarin- oder Brautenten gibt, da sich eine der "exotischen" Zierenten am Einfelder See befindet und mein erster Gedanke auf einen Ausbruch aus dem Tiergarten fiel.

Sollte dem nicht so sein, werde ich mich über e. V.e privater Züchter und Halter informieren.

Mit freundlichem Gruß,
Svenja Maschke“

 

„Sehr geehrte Frau Maschke,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Die von Ihnen genannten Entenarten werden sehr häufig privat gehalten und büchsen daher auch oft aus. Sie sind winterhart und kommen mit unseren Temperaturen in der Regel gut zurecht. Unsere Brautenten haben wir in einer Voliere, so dass sie nicht entweichen können.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Peter Drüwa
Tiergartenvereinigung Neumünster e. V.“

 

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass sie einem Privatzüchter entflohen ist. In Europa gibt es bereits mehrere Parkpopulationen, in England werden diese als eigene Population gewertet, da sie sich seit einiger Zeit selbst reproduzieren. Eine Zuwanderung von den Britischen Inseln wäre also denkbar, in Deutschland ist die Mandarinente allerdings eine beliebte Zierart, was eine Gefangenschaftsflucht  näher legt.

Die Mandarinente ist in ihrem Heimatraum durch den Verlust von Lebensraum stark bedroht. Sie ist sehr kälteunempfindlich und findet am Einfelder See eigentlich ideale Bedingungen vor, sie könnte also tatsächlich eine Konkurrenz für die gewöhnliche Stockente darstellen!

Mandarinenente

3. Kormorane – Das große Ärgernis

Die Brutgebiete des Kormorans finden sich in Norddeutschland hauptsächlich in Mecklenburg-Vorpommern, in Schleswig-Holstein sind die wenigen Kolonien vorwiegend auf der Höhe Lübecks angesiedelt. Nur wenige Brutpaare verirren sich an den Einfelder See – sehr zur Freude der Angler. Aus einer Studie von 2002 ging der Kormoran als größte Gefahr für die regionale Binnenfischerei (bez. Fische über 9cm) hervor. Auch wenn die Fischbestände des Einfelder Sees nicht aus kommerziellen Gründen befischt werden, stellen sie doch eine Bereicherung für das Freizeitangebot Neumünsters dar.
Von der Rolle, die er für den Menschen spielt, abgesehen, stellte der Kormoran unter anderem auf Grund seiner Jagdtechniken und der Schwarmgrößen, in denen er sich bewegt, die wohl größte Konkurrenz für die in Schleswig-Holstein heimischen Wasservögel dar. An einigen Seen kam es so bereits zum teilweisen Konkurrenzausschluss des Weißkopfseeadlers. Der für gewöhnlich anderen überlegene Kormoran hat sich so bereits einen Namen in den meisten Wassersportarten gemacht. Profisportler und deren favorisierte Boote werden nach Siegeszügen mit „Kormoran“-Rufen gefeiert, sodass der sonst so gefürchtete Räuber, dessen Brutkolonien in Deutschland einst vollkommen zerstört wurden,  sich doch noch eine kleine Anhängerschaft sichern konnte. Im asiatischen Raum wurden Kormorane domestiziert und mit Hilfe eines Halsringes, der das Schlucken der Fische verhindern soll, zur Jagd eingesetzt. Dieser Tradition (Ukai) wird auch heute noch nachgegangen.


Kormoran (Phalacrocorax carbo, Art!)
Verbreitung: Große Teile der alten Welt, Ozeanien, Ostküste Nordamerikas
Lebensraum: Meeresküsten, Ufer größerer Flüsse und Seen
Maße (etwa gänsegroß): Gesamtlänge 77-94 cm, Gewicht ca. 2-2,75 kg, Flügelspannweite 121-149cm
Tauchen: f.g. 1,3m (bis zu 16m sind nachgewiesen!), 15-60 Sekunden lang
Lebensweise: Je nach Pop. Standvögel, Teilzieher oder Zugvögel
Nahrung: Kleine bis mittelgroße See- und Süßwasserfische
Feinde: Der Mensch
Geschlechtsreife: Nach ca. 2 Jahren, erste Brut ab 3-4 Jahren
Zahl der Bruten: Eine/a
Zahl der Eier pro Gelege: 3-4
Brutdauer: 23-30 Tage
Höchstalter: ca. 20 Jahre
Kormorane

 

4. Wildganspopulation am Einfelder See

Ort     à

Westküste (NSG)

Ostküste (Schanze)

Art     à

Wildgänse

Möwen

Wildgänse

Möwen

9. April

        2

        7

        2

       18

11.April

3

        -

        3

       16

19. April

        -

        3

  9 (Steg)

       19

 21. April

        3

       10

        4

        7

      -

        -

        -

        -

        -

10. Mai

   Ca. 35

       14

        4

        5

13. Mai

        -

       18

? (+ Küken)

        -

20. Mai

       56

       5

        -

       12

Gans schön viele!
Über einen längeren Zeitraum hinweg wurde die Gänsepopulation des Einfelder Sees beobachtet. Beginn der Zählungen war der 30. März, an dem im letzten Jahr die ersten Vögel gesichtet wurden. Erst am 9. April jedoch tauchten zwei Gänsepaare auf.
Im Verlauf des Aprils ließ sich anhand der Zahlen nachweisen, dass Möwen und Wildgänse sich nicht ausschließen, sondern dass die Möwen – ganz im Gegenteil – die Nähe der Wildgänse suchten. Ein kleiner Möwenschwarm kreiste immer in der Nähe der Brutgebiete, obwohl sie bei Abwesenheit der Gänse die Schanze oder Plätze in der Nähe des SCN bevorzugten.
Während sich wochenlang keine bedeutenden Veränderungen an der Gänsegruppe nachweisen ließen, kamen innerhalb weniger Tage (2 bis max. 3) unzählige Gänsepaare in Schüben am Einfelder See an. Die nächste Zählung am 10. Mai fiel ziemlich ungenau aus, da unter den Gänsen großer Tumult herrschte. Die Küken der ersten Paare des Jahres (9. April) schlüpften und die Möwen hielten sich vorerst auf Abstand, es ist allerdings unbekannt, wie viele adulte Tiere sich am Badestrand des Sees befanden. Bei einer weiteren Zählung am 20. Mai ließen sich sämtliche Tiere bequem vom Ufer aus auf 49 zählen. Nur eine Gänsemutter hatte sich mit 6 Küken an den Steg des RCN verirrt. Die Möwen suchten erneut die Gesellschaft der Gänse, die ihnen neben dem Schutz des sog. Verdünnungseffekts auch den Schutz vor speziell auf Möwen spezialisierten Räubern garantierte. Selbst bei genauerem Hinsehen war es schwierig, einzelne Möwen ausfindig zu machen.  
Bei der Beobachtung stellte sich auch heraus, dass regelmäßig Wildgänse in kleineren Gruppen auf die umliegenden Felder zur Nahrungssuche auswichen. Es zeigte sich, dass immer mindestens eine Gans „Wache hielt“. Sie stand etwas erhöht und hielt scheinbar halbherzig nach Fressfeinden und anderen Gefahren Ausschau, der Rest der Tiere kam dem seltener nach. Die Gänse schienen niedrig bewachsene Grasflächen den höher stehenden Gräsern vorzuziehen und hielten sich sogar häufiger auf den Kuhkoppeln der einfelder Bauern auf als auf „unbelebten“ Feldern. Sie hielten zwar einen großen Abstand zu den Rindern, erklären lässt sich das aber zum einen durch die Schnabelform der Gans, die auf kleinere, bereits abgegraste Gräser geeicht ist, zum anderen bieten weite Grasebenen natürlich auch eine bessere Sicht auf eventuelle Fressfeinde. Ein größerer Teil der Tiere hielt sich jedoch immer in der Nähe des Naturschutzgebietes auf, er suchte dort im flacheren Wasser nach Wasserpflanzen. Die Verständigung untereinander und Identifikation erfolgte lautstark.
Die Nester waren zwischen Dorfbucht und dem Obsthof Mehrens in größeren Abständen verteilt, sodass regelmäßig Tiere zu Futterstellen und anderen Gruppen pendelten. Die Gänsepaare flogen außerhalb der Brut selten ohne einen Partner, weshalb wohl auch viele Nester im Schilf oder leicht versteckt im Dickicht der schlecht zugänglichen Uferplätze lagen. Sie schienen ähnliche Vorlieben für die Brutplätze wie die Stockenten und Blässhühner zu haben, wobei diese mit ihren Nistplätzen eher einen – wenn auch geringen (4, vllt. 5 Meter) – Abstand zu den brütenden Gänsen hielten. Ließ sich eine Brut sicher feststellen, konnte man auch beobachten, dass lediglich eine Gans ausflog, während die andere zurückblieb. Ob es sich bei den brütenden Tieren ausschließlich um Weibchen handelte, ist unbekannt, jedoch entspräche dies dem Brutverhalten der meisten Vogelarten.

 

Letzte Änderungen: Mi. 23.06.2010