Bericht Krakau-Fahrt

“Lehrreich, interessant, jeder sollte es einmal gemacht haben” - Vom 09.06. bis zum 13.06. fand die diesjährige Krakau-Fahrt statt. Normalerweise geht es bei Klassenfahrten um das Stärken der Klassengemeinschaft, um den Spaß gemeinsam etwas zu unternehmen. Was die Krakau-Fahrt so besonders macht, ist die Abweichung von diesen Zielsetzungen.

Es war vor allem eine historische Studienfahrt, die es aber vielleicht genau deshalb erst recht geschafft hat, die Gemeinschaft zu stärken, weil man sich seiner Vergangenheit bewusst wurde.

Sowohl die Hinfahrt als auch die Rückfahrt fanden mit dem Bus statt und dauerten ca. 13 Stunden. Von lauter Musik bis hin zu einem stillen schlafenden Bus war alles dabei. Es gab mehrere Pausen und einen Busfahrerwechsel in Berlin.

In den frühen Morgenstunden, so gegen 9, kamen wir dann mit kleinen Staus in Krakau an. Da wir noch nicht direkt unser Hostel namens Tara beziehen konnten, wurde erstmal in einem nahegelegenen Hotel gefrühstückt. Da es auf dieser Fahrt auch darum gehen sollte, neuen Kulturen und Gewohnheiten offen gegenüber zu stehen, war das Frühstück typisch polnisch, was zum Beispiel mehrere Sorten Kuchen auf dem Buffet bedeutete.

Beim anschließenden Beziehen des Hostels stand uns eine unangenehme Überraschung in Form einer langen und schmalen Wendeltreppe bevor, deren Stufen zu allem Überdruss nicht genormt waren und das Hochschleppen der schweren Koffer und Taschen nicht gerade erleichterte. War man erst einmal auf seinem Zimmer angekommen, besichtigte man in aller Ruhe die Stadt oder ruhte sich von der langen Reise aus. Denn am Nachmittag stand bereits der erste Programmpunkt an, die Besichtigung der Schindlerfabrik und des darin befindlichen Museums zur Geschichte Polens im 2. Weltkrieg. Das Museum wurde von vielen Schülerinnen und Schülern als sehr interessant wahrgenommen. Die vielen Photos und anschaulichen Darstellungen sowie das umfangreiche Wissen der Guides waren der Grund. Bemängelt wurde allerdings, dass die Thematik von Oskar Schindler und der Fabrik an sich verhältnismäßig wenig aufgegriffen wurden. Dennoch kann der Besuch dieses Ortes als guter Einstieg in die Fahrt und vor allem in den anstehenden Besuch von Auschwitz wahrgenommen werden.

Den restlichen Teil des Tages hatten wir Freizeit und trafen uns noch einmal zu einem gemeinsamen Abendessen in dem polnischen Restaurant Kuchnia u Doroty wieder. Dieses Zusammenkommen am Ende eines so anstrengenden und ereignisreichen Tages führte zu guten Gesprächen und viel Austausch über das Erlebte.

Am nächsten Morgen musste man allerdings schon früh wieder fit sein, denn das Frühstück, erneut in dem naheliegenden Hotel, war für 6:30 Uhr angesetzt. Nachdem nach und nach alle Schülerinnen und Schüler im Essenssaal eingetrudelt waren, bereitete man sich innerlich auf den anstehenden Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz vor. Mit dem Bus fuhren wir ca. 1,5 Stunden zum Stammlager Auschwitz 1, wo wir von unseren jeweiligen Guides, wir waren in 2 Gruppen aufgeteilt worden, empfangen wurden. Die Führung fand über Kopfhörer statt, aber startete erst einmal mit dem schweigenden Durchlaufen eines Ganges, in dem der Opfer gedacht wurde. Anschließend fand eine Führung über das Gelände statt. Von dem Tor mit der bekannten Aufschrift „Arbeit macht frei” bis zu steinernen Baracken bekam man viel zu sehen. In den einzelnen Blöcken und Gebäuden waren jeweils verschiedene Ausstellungen zu verschiedenen Themen. Die einzelnen Dinge zu beschreiben hätte hier wenig Sinn, denn des wahren Ausmaßes und der Stimmung, die diesen Ort umgibt, wird man sich erst bewusst, wenn man selbst dort ist und die detaillierten Informationen vom Guide zu hören bekommt. Besonders bedrückend war allerdings das Sehen der Berge von Schuhen und Haaren. Zum Ende der Führung in Auschwitz 1 besichtigten wir eine Gaskammer, es war einer der bedrückendsten und gleichzeitig unfassbaren Momente, da die Unmenschlichkeit, die man dort wahrnehmen konnte, so unglaublich präsent im Raum war.

Nach der Besichtigung von Auschwitz 1 ging es weiter in Auschwitz 2, mit dem selben Guide, aber ohne Kopfhörer. Auch ging es hier nicht so sehr um das Durchlaufen von Ausstellungen und Lesen von Informationen, sondern vielmehr wurde einem das Ausmaß der ganzen Sache bewusst. Links und rechts auf freiem Feld Baracken aus Holz so weit das Auge reicht, teilweise nur noch angedeutet, teilweise noch sehr gut erhalten. Und in der Mitte der Bahnsteig, auf dem die Häftlinge damals ankamen, unwissend, welche Grausamkeit sie an diesem Ort erwartete. Wir guckten uns sowohl mehrere Baracken von innen an als auch die Überreste von weiteren, noch größeren Gaskammern. Auch hier war man sich der Grausamkeit nur allzu bewusst, es wurde durch die Geschichten und Informationen der Guides nur noch allzu verstärkt.

Auf der Rückfahrt zum Hostel nach der 6-stündigen Führung war es im Bus still. Jeder und jede verarbeitete das Gesehene für sich und auf verschiedene Art und Weise. Erst beim erneuten gemeinsamen Abendessen im selben Restaurant wie am Vortag tauschte man sich über das Erlebte aus.

Anschließend hatten wir erneut Freizeit für den Rest des Abends.

Das Frühstück am nächsten und auch letzten Tag in Krakau fand um 7:30 Uhr statt. Bis dahin mussten allerdings auch schon die Zimmer geräumt werden und die Koffer in einem Gemeinschaftsraum im Hostel zwischengelagert werden.

Nach dem Frühstück wurden wir wieder in 2 Gruppen aufgeteilt und brachen, erneut mit Guides, zu einer Stadtführung auf. Diese führte uns von dem alten jüdischen Viertel, in dem auch unser Hostel lag, über die Besichtigung des Krakauer Schlosses und einer Synagoge bis hin zum Marktplatz von Krakau, welcher der größte von ganz Europa ist. Es gab dort viele kleine Stände und Attraktionen und dementsprechend auch sehr große Menschenmassen. Insgesamt bekamen wir auf dieser Stadttour nicht nur die verschiedenen Bereiche Krakaus mit ganz unterschiedlicher Architektur und verschiedenen Stadtbildern zu sehen, sondern auch viele interessante historische Informationen vermittelt, so waren wir zum Beispiel auch an einem Drehort von dem Film „Schindlers Liste”.

Direkt im Anschluss dieser Stadtführung, mit einem kleinen Zwischenstopp des Kofferholens, ging es auch schon zum Bus und wir traten die Heimreise an. Diese wurde noch einmal kurz unterbrochen, da wir einen kurzen Stopp in Auschwitz 1 unternahmen, um uns eine Multimedia-Präsentation zum Thema „Flucht und Vertreibung” anzusehen. Diese war pflichtmäßig an eine Besichtigung von Auschwitz gebunden, fand aber leider nicht am selben Tag wie die Führung statt.

Auch die Rückfahrt fand ohne große Ereignisse statt und wir kamen dann so gegen 5 Uhr morgens wieder in Neumünster an.

Alles in allem hatten wir eine tolle Fahrt mit vielen interessanten Gesprächen und Informationen, die uns auch ganz sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird und immer wieder Anlass zum Nachdenken und zur Verarbeitung der Geschehnisse gibt.

Jolina Marleen Just, 12 Geschichte 
Lena Melek Graupe, 12 Geschichte

 

Video der Krakau-Fahrt (372 MB)