Die Holocaust-Exkursion nach Krakau im Februar 2020

Vom 1. bis zum 4. Februar 2020 haben wir - eine Gruppe von 25 Schülerinnen der Alexander-von- Humboldt-Schule in Begleitung von Frau Schreiber und Frau Göpfert - uns auf eine Reise nach Krakau begeben.

Wir hatten uns für eine Exkursion in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz angemeldet, aber was das explizit bedeuten würde, konnten wir nur schwer einschätzen.
Während der Anreise mit dem Flugzeug stiegen unsere Ängste.
Schon während der Vorbesprechung vor der Abreise hatten wir die Möglichkeit, unsere Gedanken, Sorgen und Erwartungen anzusprechen. Diese waren zahlreich und wurden durch das Schauen des Films „Schindlers Liste“ noch intensiviert. Es fällt schwer, all die Emotionen, die wir bereits vor der Reise hatten, in Worte zu fassen und noch schwerer, die Eindrücke, die wir vor Ort gesammelt haben, zu beschreiben.

Nach der Landung haben wir das ehemalige Konzentrationslager Plaszow besucht, das in dem Film „Schindlers Liste“ gezeigt wurde. Heute ist es als solches nicht mehr auszumachen. Auf diesem Gelände spielen nun Kinder und toben Hunde. Es fiel unter diesen Umständen schwer, sich das ganze Ausmaß der Grausamkeit vorzustellen, der die Insassen des Konzentrationslagers ausgeliefert waren. Als Besucher dieses Ortes war ein Trauern kaum möglich, wenn man von so viel Leichtigkeit und Fröhlichkeit umgeben war und sich Konfetti an einer Feuerstelle am Rande des Geländes finden ließ. Vielleicht kann man sagen, ohne urteilen zu wollen, dass es uns erschrocken hat, mit welcher Heiterkeit die Menschen dieses Gelände aufsuchten.

Anschließend begaben wir uns in ein Hostel, das unser Aufenthaltsort für die drei Nächten in Krakau war. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, erhielten wir die Gelegenheit, die nähere Umgebung zu erkunden. Wir hatten das Glück, dass die Unterkunft sowohl nahe der Innenstadt als auch des jüdischen Viertels Krakau gelegen war und wir nur kurze Fußwege zu bewältigen hatten.
Auch der Fußweg zu Oskar Schindlers Fabrik, die in ein Museum umfunktioniert wurde, war kurz. Wir haben sie noch am Ankunftstag besucht. Hier wurden wir über die Geschichte der Juden in Krakau und die NS-Zeit generell aufgeklärt. Uns als Schülern wurden die Informationen interaktiv und durch einen Museumspädagogen verhältnismäßig schonend übermittelt, dennoch konnten wir durch die zahlreichen Bilder und schockierenden Fakten allmählich immer mehr begreifen, wie mitleidlos, qualvoll und unmenschlich diese Zeit für die jüdischen Mitbürger war.

Am folgenden Tag sind wir um 9:00 Uhr morgens aufgebrochen und mit dem Bus nach Auschwitz gefahren. Bei einigen Schülerinnen machte sich schon auf der Fahrt ein bedrückendes Gefühl bemerkbar, das immer mehr zunahm, je näher wir der Gedenkstätte kamen. Fast zu schnell erreichten wir unser Ziel und wurden von der Gruppenleiterin noch auf dem Parkplatz begrüßt.
Zeichnung3Zunächst konnten wir uns noch mit Kopfhörern, die uns gegeben worden waren, um das Gesagte besser zu verstehen, von unserer Furcht ablenken. Doch als wir durch das abstoßend zynische Tor „Arbeit macht frei“ getreten sind, mussten wir uns der grausamen Realität stellen. Bilder, Geschichten, Eindrücke und Fakten prasselten auf uns ein und ließen sich nicht verdrängen.
Dagegen waren die Eindrücke des vorherigen Tages vergleichsweise „harmlos“. Schon diese haben uns aufs Äußerste entsetzt, doch das wahre Grauen kam erst hier.
Durch den Besuch des Schindler-Museums konnten wir fast unauffällige Details in Auschwitz einordnen. Sieht man hier beispielsweise eine bestimmte horizontale Schiene, so kann man erst durch den Besuch, die Fotos und die Dokumentationen im Schindler Museum verstehen, das an dieser unschuldige Menschen erhängt wurden.

Zeichnung2In Auschwitz I wurden wir zunächst durch die einzelnen Baracken begleitet, die zum Teil als Ausstellungsplatz für informative Texte über den Holocaust, aber auch für Bilder der Insassen genutzt werden. Andere Baracken wurden in ihrem Originalzustand belassen. Man kann kaum sagen, welcher Anblick einprägsamer und erschreckender war.
In einer Baracke wurden mehrere Tonnen Haare, aber auch Schuhe, Kämme, Geschirr und Prothesen der Insassen aufbewahrt. Welcher Bestialität waren diese Menschen ausgesetzt!
Es war für mich - und ich glaube auch für die anderen - schwer auszuhalten. An so vielen Orten innerhalb des Vernichtungslagers wurden Menschen hingerichtet, insbesondere aber in den Gaskammern.
Die Besichtigung von Auschwitz I endete mit dem Betreten der kleinsten Gaskammer, die hier erhalten ist. Die Konfrontation mit diesem ganz besonders schrecklichen Ort hat uns zutiefst bedrückt. Die Trauer, die wir schon zuvor in den Baracken gespürt haben und das furchtbar bleierne Gefühl in der Brust waren hier wohl am stärksten. Eine genauere Beschreibung ist mir nicht möglich. Ohne an diesem Ort gewesen zu sein, kann man sich dessen Atmosphäre kaum vorstellen bzw. nachempfinden.

Nach einer kurzen Pause, in der wir ein wenig Kraft sammeln konnten, sind wir nach Auschwitz-Birkenau gefahren.

Zeichnung1Die Schrecklichkeit des Vernichtungslagers ist unbeschreiblich. Einige Schülerinnen konnten es nach der Besichtigung von Auschwitz I psychisch nicht mehr verkraften, sich auf diesen Ort seelisch so einzulassen wie in Auschwitz I. Die Führung durch das Vernichtungslager wurde kurz gehalten, nachdem unsere Gruppenleiterin bereits angekündigt hatte, dass es hier vor allem um das Sammeln von Eindrücken gehen würde.
Die enorme Fläche, die sich unseren Augen darbot, beschrieb eine Schülerin so: „Egal, in welche Richtung man sieht, überall nur Auschwitz.“
Wir wurden zunächst zu den Bahngleisen geführt, die als „Rampe“ bekannt sind, an der die Selektion stattfand und entschieden wurde, wer als arbeitsfähig galt und wer direkt in die Gaskammern gehen musste. Ich war zutiefst entsetzt.
Von hier sind wir dem Pfad zu den Gaskammern gefolgt. Für uns alle ein sehr bedrückender Weg.
In der Ruine der gesprengten Gaskammer Nr. 2 sind wir über die hier angewendeten Verfahren unterrichtet worden. Das Ausmaß und die Grausamkeit der Vernichtung war kaum mehr zu fassen.
Abschließend wurde uns noch die „Todesbaracke“ gezeigt, die etwas abseits auf dem Gelände zwischen anderen Hütten liegt. Der sogenannte „Hof“, ein sehr kleiner Platz zwischen zwei Gebäuden, ist von Steinmauern umgeben. Hier und teilweise in der „Todesbaracke“ mussten Frauen wochenlang unbekleidet und ohne Essen, draußen im Schlamm, im Inneren in Stockbetten, auf den Tod warten. Dieses Gebäude hat uns über alle Maßen erschüttert. Wir, eine Gruppe von knapp 30 Leuten, konnten das Gebäude nur hintereinander bequem betreten. Zur NS-Zeit mussten hier jedoch über 1000 Menschen vegetieren. Das Leid, das die Insassen durchzustehen hatten, ist so immens!

Auf der Fahrt ins Hostel konnten wir über das Gesehene noch nicht sprechen, es wurde uns aber die Möglichkeit einer kleinen, persönlichen Nachbesprechung gegeben.
Zeichnung4In unseren Gesprächen untereinander fiel auf, dass wir alle vor Ort ähnlich empfunden haben. Wut über das Geschehene, Trauer und Abscheu vor der NS-Diktatur und ihren Handlungen. Doch waren wir uns auch einig, dass es eine wichtige Erfahrung war, die, wie eine Schülerin es ausdrückte, sie nie wieder hergeben wollen würde.

Unser letzter Tag in Krakau war deutlich unbeschwerter. Wir haben zu Fuß eine Stadtführung mit einer jungen, freundlichen und äußerst fröhlichen Einheimischen unternommen.

Am Vormittag wurde uns das jüdische Viertel und ehemalige Ghetto mit seinen bedeutenden Bauten gezeigt. Wir konnten dabei einige Drehorte aus dem Film „Schindlers Liste“ ausmachen.
Weiterhin haben wir zwei Synagogen, einen jüdischen Friedhof und die berühmte Apotheke „Zum Adler“ besucht und stets viele wichtige Informationen erhalten.

Nach einer einstündigen Pause, die individuell gestaltet werden konnte, haben wir uns Krakaus Innenstadt angeschaut. Wir haben die Burg Wawel besucht, sind durch Gassen geschlendert und haben die Marienkirche besucht, die zu den Wahrzeichen der Stadt zählt. Damit war der Rundgang beendet und es war Abend geworden.

Am folgenden Tag sind wir in aller Frühe zum Flughafen aufgebrochen, um nach Hause zu fliegen.

Was kann ich nun zukünftigen Interessenten zu diesem Exkursionsangebot unserer Schule sagen?
Nehmt dieses Angebot wahr! Die NS-Zeit und deren grausige Auswirkungen dürfen nicht vergessen werden. Habt keine Angst, sondern seht insbesondere Auschwitz als einen Ort des Trauerns um die Menschen und das Geschehene. Behaltet im Bewusstsein, dass es nicht rückgängig gemacht werden kann, aber versteht diesen Ort als eine eindringliche Mahnung gegen Rassismus.

von Rebekka Henningsen (Klasse 10 a)
Zeichnungen von Annika Björnsen