Schulgeschichte

Die Geschichte der Alexander-von-Humboldt-Schule geht zurück in die frühen 1970er Jahre. Nach den Eingemeindungen der Stadtteile Einfeld, Gadeland und Tungendorf-Dorf entstand in dem nun auf rund 85000 Einwohner gewachsenen Neumünster der Bedarf nach einem Gymnasium im Norden der Stadt. Als Standort kamen entweder Einfeld oder Tungendorf in Frage und in der Ratsversammlung spalteten sich die politischen Lager. Die SPD mit Oberbürgermeister Dr. Uwe Harder befürwortete Tungendorf, die CDU – in ihren Reihen der Ratsherr Hatto Klamt – Einfeld. Die endgültige Entscheidung brachte die Sitzung am 18. Dezember 1973, bei der mit einer Stimme Mehrheit die Wahl auf Einfeld als Standort fiel.

Da der Schulbetrieb bereits im Sommer 1974 starten sollte, war die Zeit knapp. Das Ministerium übertrug Herrn Klamt, damals Oberstudienrat an der Neumünsteraner Klaus-Groth-Schule für die Fächer Latein, Philosophie und Religion, die kommissarische Leitung und beauftragte ihn mit dem Aufbau der Schule. Für den Namen „Alexander von Humboldt“ hatte man sich auf Herrn Klamts Vorschlag hin entschieden, weil er das zukunftsweisende Ideal eines humanistisch gebildeten Naturwissenschaftlers verkörperte. Dessen Leitbild prägt die Schule bis heute. Das Wirken an unserem Gymnasium ist von dem Bestreben nach Weltoffenheit, tätigem Verantwortungsbewusstsein, sozialem Lernen und Menschlichkeit bestimmt. Es ist ausgerichtet auf wissenschafts- und praxisorientierte Bildung, Engagement und Leistungsvermögen. Am 19. Juni 1974 erfolgte die offizielle Gründung der Alexander-von-Humboldt Schule, die den Beinamen „neusprachliches und mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium“ erhielt.

Am 19. August 1974 – der erste Spatenstich für den Neubau in Einfeld war noch nicht erfolgt – wurde dann der Unterricht mit 93 Schülerinnen und Schülern in drei Klassen an insgesamt drei Standorten aufgenommen. Die Sexta (5. Klasse) startete in der Vicelinschule, die Quinta (6. Klasse) mitsamt der Verwaltung in der Timm-Kröger-Schule und die Quarta (7. Klasse) in der Theodor-Litt-Schule. Dadurch ergaben sich naturgemäß Probleme: Die Stundenpläne mussten so gestaltet werden, dass das dauernde Hin- und Herpendeln der Lehrkräfte zwischen den Schulen keine unzumutbaren Dimensionen annahm. Außerdem stimmten die Unterrichts- und Pausenzeiten mit denen der anderen Schulen nicht überein. Mit einer simplen Glocke wurden diese aus den Fenstern eingeläutet.

Am 10. August 1975 begannen schließlich die Bauarbeiten am heutigen Standort am Roschdohler Weg und Ende des Jahres konnte das Richtfest gefeiert werden. Am 19. Mai 1976 wurden die Sporthalle und am 20. Juni der erste Bauabschnitt des Hauptgebäudes fertiggestellt. Der erste Schultag im eigenen Gebäude fand für die dann bereits 359 Schülerinnen und Schüler am 2. August 1976 in nunmehr 11 Klassen statt. 15 Lehrkräfte zählten zum Gründungskollegium. Der Oberstufentrakt, das Sanitätszimmer und der Schüleraufenthaltsraum wurden am 19. Oktober 1978, der naturwissenschaftliche Trakt, die Fachräume für Musik, Kunst und Werken sowie ein modernes Forum für 200 Zuschauer am 15. März 1979 übernommen. Der Beginn der Studienstufe (Oberstufe) im Schuljahr 1979/80 stellte den endgültigen inneren Aufbau dar. Sie zählte 68 Schülerinnen und Schüler in 10 Leistungs- und 32 Grundkursen. Mit dem Erreichen des 13. Jahrgangs wurde im Schuljahr 1981/82 die Gründungsphase unseres Gymnasiums abgeschlossen; am 25. Mai 1982 bestanden die ersten 50 Schülerinnen und Schüler an der Alexander-von-Humboldt-Schule ihr Abitur.

Die AHS, wie sie fortan kurz genannt wurde, hatte sich im Schulzentrum Einfeld mit der benachbarten Grund- und Haupt- sowie der Realschule, aber auch in Neumünsters Schullandschaft insgesamt schnell etabliert. Außerdem war sie aufgrund ihrer Lage attraktiv für die nördlichen Umlandgemeinden. Hinzu kamen ein junges, motiviertes Kollegium, modern ausgestattete Räume und ein weitläufiger Außenbereich im Grünen, nicht zuletzt mit besten Sportmöglichkeiten im 1983 eingeweihten Leichtathletikstadion westlich des Roschdohler Wegs, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sportverein TS Einfeld sowie am Einfelder See. 1993 erfolgte dann auch endlich die schon seit langem geplante Verglasung des Verbindungstraktes zwischen Hauptgebäude und Sporthalle.

Im 25. Jahr ihres Bestehens – 1999 – zählte die AHS 724 Schülerinnen und Schüler, die sich auf 25 Klassen der Unter- und Mittelstufe sowie 18 Leistungs- und 70 Grundkurse in der Studienstufe verteilten. Sie wurden von 59 Lehrkräften unterrichtet, unter ihnen 7 Referendarinnen und Referendare und 5 Studienleiter des heutigen Instituts für Qualitätsmanagement an Schulen Schleswig-Holsteins (IQSH). Die AHS begriff sich nämlich schon früh als Ausbildungsschule und stellt an sich bis heute den Anspruch, die Ausbildungsstandards besonders unter dem Gesichtspunkt der Praxisnähe zu erfüllen. Von der Kommunikation zwischen Auszubildenden und Ausbildenden, von der Balance zwischen Neuem und Bewährtem, Innovation und Tradition in methodisch-didaktischer Hinsicht sollten und sollen alle Beteiligte profitieren, damit im wechselseitigem Miteinander sowohl die Aktualität als auch die Kontinuität der pädagogischen Diskussion gesichert wird. Dass nach der Pensionierung von Herrn Klamt 2001 mit Frau Doris Weege ausgerechnet eine ehemalige Referendarin der AHS (mit den Fächern Deutsch und Französisch) die Schulleitungsnachfolge antrat, kommt daher nicht von ungefähr und ist Ausdruck dieser Kontinuität.

Mit der Amtseinführung von Frau Weege am 1. Februar 2002 und den folgenden Pensionierungen von Herrn W. Zöllner (Oberstufenleiter bis 2004) und Herrn K. Reumann (stellvertretender Schulleiter bis 2005) wurde der erste große Generationswechsel der Schulgeschichte vollzogen. Die bewährte fachlich-pädagogische Arbeit indes wurde kontinuierlich fortgeführt und ausgebaut: bestehende Schulpartnerschaften nach Frankreich, Ungarn und Mexiko wurden intensiviert, unterrichtliche Vorhaben und außerschulische Projekte sowie der AG-Bereich ausgeweitet. Das Kollegium, ausgebildet und angeleitet von den erfahrenen Lehrkräften, verjüngte sich in den Folgejahren nach und nach.

Die AHS musste sich dabei zwei großen bildungspolitischen Herausforderungen stellen. Erstens entstand nach dem „PISA-Schock“ ein starker politischer Druck auf alle Schulen landesweit, hin zu einer stärkeren Selbstverwaltung, vor allem jedoch zu einem effizienteren Qualitätsmanagement: Die Unterrichtsqualität sollte erhöht, der Unterrichtsausfall minimiert werden. Alle Schulen mussten sich einem sog. „Schul-TÜV“ unterziehen. Zweitens folgten im Zuge einer umfassenden Schulreform 2007 die Abschaffung der Studienstufe und die damit verbundene Einführung der neuen Profiloberstufe, die Schulzeitverkürzung an Gymnasien von 9 auf 8 Jahre und die teilweise Einführung eines Zentralabiturs.

Diese tiefgreifenden strukturellen Veränderungen zogen eine tiefgehende Neujustierung der bestehenden schulorganisatorischen Abläufe und nicht zuletzt der fachlich-pädagogischen Arbeit nach sich. Die Verkürzung der Mittelstufenzeit von vier auf drei Jahre – hier wurde quasi das 9. Schuljahr „eingespart“ – erforderte eine Überarbeitung und Verschlankung aller Lehrpläne der Sekundarstufe I, die fortan als Fachanforderungen bezeichnet wurden und wesentlich kompetenzorientierter ausgerichtet waren. Durch eine intensive Fachschaftsarbeit des Kollegiums erhielten die überarbeiteten Curricula die eingeforderte Kompetenzorientierung und werden seitdem stetig weiterentwickelt. An der Schnittstelle von G9 zu G8 entstand ein sog. „Doppeljahrgang“, bestehend aus Schülerinnen und Schülern des ersten G8-Jahrgangs und des letzten G9-Jahrgangs. Insgesamt wurden am 2. Juli 2016 182 Abiturientinnen und Abiturienten feierlich verabschiedet – eine Rekordzahl.

Die dreijährige Profiloberstufe als eine Mischung aus Klassen- und Kurssystem stellte vor allem die Stundenplangestalter vor große Herausforderungen. Ebenso das Zentralabitur: Seit dem Jahr 2011 schreiben alle Abiturientinnen und Abiturienten in Schleswig-Holstein in Deutsch, Englisch, Französisch, Latein und Mathematik dieselbe schriftliche Abiturprüfung einheitlich am jeweils vorgesehenen Prüfungstag.

All diese „Mammutaufgaben“, an deren Gelingen nicht zuletzt auch die Elternschaft sehr konstruktiv und nachhaltig mitwirkte, meisterte die Alexander-von-Humboldt-Schule seit 2002 mit Bravour, was nicht nur das stets überdurchschnittliche Abschneiden bei den landesweiten Vergleichsarbeiten in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik in der Mittelstufe sowie im Zentralabitur selbst unter Beweis stellt, sondern auch die steigenden Schülerzahlen seit der Jahrtausendwende. Trotz der gegenläufigen demographischen Entwicklung wuchs die AHS in dieser Zeitspanne auf über 1000 Schülerinnen und Schüler und über 80 Lehrkräfte an.

In diesem Zuge gelang außerdem die notwendig gewordene bauliche Umstellung auf die Anforderungen des Ganztagsbetriebes. Nach einem vierjährigen provisorischen Cafeteriabetrieb im Hauptgebäude wurde am 22. März 2013 die neue Mensa feierlich eröffnet. Parallel dazu wurde das Schulgebäude nach und nach an Dach und Fassade saniert; die Fachräume aus den Gründungsjahren wurden renoviert und modernisiert.

Entstanden ist durch dieses gemeinsame Wirken aller an Schule Beteiligten ein reiches Schulleben in einem im metaphorischen Sinne gewachsenen „Haus des Lernens“: ein Ort der Begegnung, in dem das intensive und harmonische Miteinander von engagierten Lehrkräften, von motivierten Schülerinnen und Schülern und von aufgeschlossenen Eltern entscheidend ist. An der AHS herrscht im Schulalltag eine freundliche, von wechselseitigem Respekt, von Rücksichtnahme und Gelassenheit geprägte Atmosphäre, mit der Bereitschaft zur Leistung und Anstrengung bei allen Beteiligten, aber auch mit der gemeinsamen Freude an diesem Haus, das von Toleranz, Verantwortungsbewusstsein, Menschlichkeit und Engagement bestimmt ist, in dem sich alle Beteiligten gut aufgehoben und wohl fühlen und mit dem sich alle identifizieren.

Mit dem seit 2000 mehrfach evaluierten und zuletzt 2016 neu überarbeiteten Schulprogramm wird der an der AHS erfolgreich eingeschlagene Weg fortgesetzt; die progressive Ausrichtung sorgt für eine ständige Verbesserung und Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit auf Basis des Leitbildes Alexander von Humboldts, der sich in seinem bewegten Leben auf viele Herausforderungen eingelassen hat. Mit seinem großen Wissensdurst war er bereit, für sein Lebensziel, die geplante Forschungsreise nach Süd- und Mittelamerika, über viele Jahre auf den verschiedensten Fachgebieten praktisch und theoretisch zu lernen. Er ist und bleibt damit ein Vorbild für alle an dieser Schule Beteiligten.